Veränderung ist fester Bestandteil unseres Alltag. Sie führen zu unbequemen Situationen, in denen sich entscheidet ob ich ihr mit Offenheit begegne oder zu den Verhinderern gehören.

Die Welt ist laut. Doch viele unter uns sind leise. Das sind nicht nur die Introvertierten sondern einfach ruhige Persönlichkeiten.

Gerade leisen Menschen sollte man ganz genau zuhören.

Ein Rat, den jeder beherzigen sollte. Der auch Führungskräften gegeben wird, damit diese den ruhigen Menschen in ihren Teams zuhören. Aber warum passiert das (noch) so wenig vor allem innerhalb der Teams?

Laut gegen Leise

Wenn ich für ein Thema brenne, dann arbeite ich hart dafür. Ich entwickele neue Ideen, tausche mich viel mit anderen dazu aus und teile meine Gedanken. Es gibt allerdings Menschen, die meine Leidenschaft und damit verbundene Veränderungsbereitschaft belächeln, sogar im schlimmsten Fall torpedieren. Sie stehen am Spielfeldrand und werfen mit destruktiven Kommentaren um sich. Oder noch schlimmer: sie beteiligen sich nicht konstruktiv an der Diskussion sondern zeigen mit Gesten wie verschränkten Armen oder hochgezogenen Augenbrauen ihr urteilendes Desinteresse. Beim Tuscheln mit anderen bekomme ich Gesprächsfetzen mit wie „was ist das für ein Quatsch.“. Damit rauben sie mir Energie. Sie sorgen dafür, dass ich in meiner Leidenschaft ausgebremst werde. Sie lassen mich an mir selbst zweifeln. Ich bin mehr damit beschäftigt gegen ihre Zweifel anzuarbeiten als mit meiner eigentlichen Arbeit. Am Ende des Tages stehe ich da und frage mich wofür ich das eigentlich mache. Eine mögliche Veränderung bleibt auf der Strecke.

Dann kommt unweigerlich ein gut gemeinte Rat: „Du musst lauter werden.“. Warum? Habe ich automatisch mehr Recht nur weil ich lauter bin als alle anderen? Für mich fühlt es sich eher an wie ein Hochschaukeln bis wir uns anschreien. Dem Ziel sind wir dann allerdings kein Stück näher gekommen. Im Gegenteil. Es bilden sich Fronten aus, die sich immer mehr verhärten. Es dient nicht mehr der Sache sondern es dreht sich nur noch darum, wer seine Position am lautesten vertritt und den „Wettstreit“ gewinnt. Egal, ob damit die Idee und auch die Leidenschaft für ein Thema verbrannt wird. Im schlimmsten Fall verbrennt es auch Menschen und ihre Energie.

An einem Strang ziehen

Ja, Veränderung ist nicht immer leicht und kann schmerzhaft sein. Es kann auch neidbehaftet sein, wenn andere vermeintlich mehr Aufmerksamkeit für ihr Thema und damit verbundene Leidenschaft erhalten. Besonders schwierig wird es, wenn damit Veränderung verbunden ist. Aber die Welt verändert sich um uns herum – ob wir es wollen oder nicht. Natürlich müssen wir uns dementsprechend anpassen und ebenfalls Veränderungen eingehen. Es geht um das gemeinsam Wachsen. Statt andere mit ihren Ideen und in ihrem Veränderungsbestreben zu hindern, lasst uns alles in einen Topf werfen und zusammen etwas Neues entstehen lassen. Auch wenn ich selbst vorerst von dem Thema nicht überzeugt bin, ist es nicht gleichzeitig falsch. Offenheit für Neues und der Wille, daran mitzuwirken, sind unerlässlich.

Einmal in solch einer Situation eingeklemmt, ist es schwer, mich zu daraus zu befreien und meiner Leidenschaft weiter nachzugehen. Die Energieräuber haben ganze Arbeit geleistet. Jetzt gilt es für mich einen Weg zu finden, mich aus diesem Strudel wieder zu befreien. Wenn ich zu leise bin, verbünde ich mich mit Gleichgesinnten, die genauso leidenschaftlich für dieses Thema arbeiten. Ich bekomme neue Perspektiven und zusammen können wir lauter sein ohne dass wir selbst wirklich lauter werden. Wir lassen Taten statt Worte sprechen. Nicht jede „Schlacht“ ist es wert, sie auszutragen. Manchmal ist es besser, dass ich meine Energie an anderer Stelle einsetze. Und manchmal gehören auch Tränen dazu. Das ist keine Schwäche. Das ist menschlich und gehört zu mir auch als Bestandteil meiner Selbstreflexion.

Immer mein Ziel vor Augen

Veränderung gehört zum Alltag – beruflich wie auch privat. Das bedeutet nicht, dass ich mich um 180 Grad drehen und verändern muss. Für mich bedeutet das, der Veränderung mit Offenheit zu begegnen und sie zuzulassen. Wenn ich dabei kein gutes Bauchgefühl habe, versuche ich zu erkunden woran das liegt. Entweder da ist wirklich etwas faul oder ich habe nur Vorbehalte, die ausgeräumt werden können. So oder so, es liegt in meiner Hand die Veränderung zu beeinflussen und zu gestalten. Sei es als Teil davon oder ich verlasse das Spielfeld, auf dem die Veränderung passiert. Wie auch immer ich mich entscheide: ich bleibe mir dabei treu und werde nicht zum Verhinderer oder gar Energieräuber eines anderen. Dazu muss ich nicht lauter werden sondern kann das auch leise tun.

Und wenn ich Teil der Veränderung bin, dann lass ich mir meine Begeisterung und Leidenschaft nicht nehmen trotz aller Energieräuber und Verhinderer. Auch wenn es bedeutet, dass ich mich unbeliebt mache, immer und immer wieder die selben Diskussionen führe oder mit Tränen in den Augen Zuhause sitze. Es lohnt sich am Ball zu bleiben stets mit meinem Ziel vor Augen. Denn genau dafür mache ich das.